Wimmelbücher

Irgendwann ist es bei vermutlich allen Kindern so weit: das Wimmelbuch-Fieber bricht aus. Plötzlich sind kaum mehr Gute-Nacht-Geschichten gefragt; stattdessen wandern vor dem Einschlafen die Augenpaare über wimmelig -wuselige Bilder, immer auf der Suche nach…

Das große Fußball Wimmelbuch

Dieses Buch weckte beim großen Kind den Wunsch, ein Fußballspiel live im Stadion zu erleben. Als es soweit war, wurden alle Erwartungen erfüllt: Torjubel und ein Eis in jeder Halbzeit.

Auf den großen Doppelseiten geht es schrittchenweise vom Kindersportfest über Public Viewing bis zum großen WM-Finale. Mit dabei ist immer der kleine Junge im rotgeringelten Shirt, dessen Hund Poldi ausbüxt und gesucht werden muss. Zwischendurch wird auf extra Seiten Fußballwissen vermittelt. Tolles Buch für Wimmel-Kinder und auch spaßig für die „Vorlesenden“, die bei der Gelegenheit ein bisschen Fußball-KommentatorIn spielen können.

Müller, Daniel: Das große Fußballwimmelbuch © 2014 Ravensburger 978-3-473-44640-7

In den Ferien

Diese Mini-Ausgabe haben wir einst in den Ferien gekauft. Auf je einer der 6 Doppelseiten werden Urlaubsorte in Deutschland dargestellt. Ferien auf dem Land mit Feldern, Weiden und Höfen, auf dem Ferienbauernhof mit Tieren, Feriengästen und Handwerkern, am Strand mit Strandkorb, Schwimmring und Sandburg, im Hafen mit Kutter, Werft und Möwen, in den Bergen im Sommer mit Seilbahn, Camping und Kletterern, sowie im Winter mit Skilift, Wintersportlern und Hubschrauber.

Beim „Lesen“ lassen wir Urlaubserinnerungen aufleben, die in jede Handtasche und natürlich ins Urlaubsgepäck passen.

Bieber, Hartmut: Mein Mini-Wimmelbuch in den Ferien © 2015 Coppenrath 978-3-649-62068-6

Komm mit zu Pettersson und Findus

Also eigentlich sind wir hier alle Fans vom alten Tüftler und seinem sprechenden Kater. Hier wurden aus verschiedenen Büchern Bilder zu einem Tag mit den beiden Kinderbuchhelden zusammengepuzzelt und mit einer mal mehr, mal weniger passenden Überschrift versehen. Das ist leider nicht ganz rund, aber die Kinder stört es bis jetzt nicht. Und weil die tollen Illustrationen trotzdem ja tolle Illustrationen sind, ist es auch für uns Erwachsene ok. Bei diesem Wimmelbuch wird es dem aufgabenstellenden Erwachsenen leicht gemacht, da das Buch die Suchaufträge selbst mitliefert. Gegenstände aus dem Bild sind am Seitenrand platziert und werden – in genau der richtigen, vom Kind gewählten Reihenfolge – gesucht.

Nordqvist, Sven: Komm mit zu Pettersson und Findus! Ein Wimmelbilderbuch © 2011 Oetinger 978-3-7891-6945-8

Mein Kölner Zoo

Als begeisterte Zoo-Jahreskarten-Nutzer mussten wir unweigerlich dieses Buch bei uns einziehen lassen. Auf großen Pappbilderbuchseiten wandert man durch den Kölner Zoo, der so realitätsnah abgebildet wurde, dass hier schon der ein oder andere Zoobesuch vor- und nachbereitet wurde. Einige Figuren sind auf jeder Seite zu finden, darunter eine Familie, Tünnes und Schäl und Zoowärter, die versuchen, den entwischten Kleinen Panda wieder einzufangen. Viele nette Details bieten Stoff für ebenso viele Wimmelrunden und machen immer wieder Lust auf einen Zoobesuch.

Wrusch, Heiko: Mein Kölner Zoo. Bachems Wimmelbilder © 2014 Bachem 978-3-7616-2265-0

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Der kleine Häwelmann

Es gibt diese Bücher, die man seinen Kindern vorliest, um in eigenen Kindheitserinnerungen zu schwelgen. So ging es vermutlich meiner Mutter, als sie mir Theodor Storms Kinderbuchklassiker vorlas und aus diesem Grund habe ich ausgeliehen, als mir Der kleine Häwelmann neulich in der Bibliothek in die Finger fiel.

Als das große Kind nicht einschlafen konnte, holte ich den Häwelmann und suhlte mich ein bisschen im Kindheitsgefühl.

Häwelmann terrorisiert seine Mutter, die todmüde im Bett liegt und im Halbschlaf sein Bettchen hin und her rollt. Dennoch schläft sie vor ihm ein, woraufhin der Junge sein Hemd auszieht, es am Bein wie ein Segel befestigt und sich so durch den Raum pustet. Das sieht der Mond, auf dessen Strahl der kleine Häwelmann durchs Schlüsselloch fährt. Er rollt durch die Stadt und den Wald, trifft Wetterhahn und Katze.

„Was machst du da?“, rief der kleine Häwelmann hinauf. „Ich illuminiere!“, rief die kleine Katze herunter. […] „Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“ „Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Leuchte, alter Mond leuchte!“

So rollt Häwelmann in den Himmel, bringt Sterne zum Fallen…

und – hast du nicht gesehen! fuhr er dem alten guten Mond quer über die Nase…

Dem Mond wird’s zu bunt und geht mit den verbliebenen Sternen unter. Schließlich geht die Sonne auf, die den Jungen ins Meer wirft.

Das übermüdete Kind ließ sich von der uralten (1849!) Geschichte spontan nicht überzeugen. Da muss ich wohl noch mal einen besseren Moment abpassen und einen neuen Versuch starten. Ich selbst war beim Vorlesen aber überraschend entzückt von den liebevoll formulierten Sätzen, die nach Jahrzehnten immer noch vertraut schienen. Und die Illustrationen von Ingeborg Meyer-Rey sind die aus meiner Kindheit, da es sich bei der rezensierten Ausgabe um einen Nachdruck der 1. Aufl. 1984 handelt.

Storm, Theodor: Der kleine Häwelmann: ein Kindermärchen. © 2004 Beltz 978-3-407-77086-8

Nini Naseweis

In diesem Buch wird der Alltag eines Kleinkinds am Beispiel eines Mädchens namens Nini dargestellt. Kleinschrittig und in sehr einfachen Sätzen begleitet man die Protagonistin vom Aufstehen am Morgen über den Besuch bei der Tagesmutter bis zum Einschlafen.

Ich habe gefühlt 2 Jahre meines Lebens mit dem Vorlesen dieses Buchs verbracht und es hing mir ehrlich gesagt schon sehr zum Hals heraus. Doch für das große Kind war dieses Buch zwischen 1 1/2 und 3 Jahren fast ein so wichtiger Begleiter, wie für andere Kinder ein Stofftier. Also haben wir es wieder und wieder vorgelesen und ich habe mich, wenn ich einmal etwas anderes vorlesen durfte, umso mehr gefreut. Irgendwann konnte das Kind das Buch auswendig und hat es sich auch oft selbst „vorgelesen.“ Viele Entwicklungsschritte des Kindes ließen sich immer tagesaktuell an Nini Naseweis ablesen, wie Sätze sprechen, Farben benennen, Augen zählen (creepy!), neue Inhalte erfinden…

Morgens schlüpft Nini zu ihren Eltern ins Bett, dann geht es ins Bad und an den Frühstückstisch.

Die Sätze sind kurz und beschreiben prägnant den Inhalt des jeweiligen Bildes. Nini kann das schon. ist dabei ein wiederkehrendes Element und kann nach mehrmaligem Vorlesen vom Kind selbst an entsprechender Stelle enthusiastisch gerufen werden.

Mama muss schnell mit dem Rad zur Arbeit. Papa bringt Nini mit dem Auto zur Tagesmutter. Dort verbringt sie mit zwei anderen Kindern den Tag. Es wird gespielt, gestritten, vertragen, aufgeräumt, gekocht, gegessen, geschlafen und im Sand gebuddelt. Betreut werden die Kinder von einer zwischendurch Anweisungen rufenden („Und jetzt Hände waschen!“) Tagesmutter, die den ganzen Tag nicht aus ihrer Schürze herauskommt. Nachmittags wird Nini von der offenbar in Teilzeit arbeitenden Mutter abgeholt. Hier wird schön das Vereinbarkeitsproblem dargestellt. Obwohl sie schon nachmittags zuhause ist, hat die Mutter nicht uneingeschränkt Zeit für ihr Kind. Auf dem Weg zur Tagesmutter hat sie anscheinend Einkäufe erledigt und daheim warten der Haushalt und wichtige Telefonate. Es kommt wie es kommen muss, zu Konflikten.

Natürlich vertragen sich Nini und Mama wieder und verbringen noch etwas Quality Time, bevor zum Abendessen Papa nach Hause kommt. Dann wird das Kinderzimmer aufgeräumt, vorgelesen und Nini ins Bett gebracht.

Das Buch ist nicht gerade ein Musterbeispiel gelebter Emanzipation, doch gerade dieses typische Familien-Arbeits-Alltags-Modell und der Wiedererkennungswert der in den Illustrationen dargestellten Umgebung haben Identifikationspotenzial bei vielen Leseratten ab 18 Monaten. Da das 94-Seiten-Werk in 5 Kapitel aufgeteilt ist, lässt sich eine Unterbrechung des Vorlesens auch für die Kleineren verständlich vermitteln.

Das kleine Kind hat auch schon Bekanntschaft mit Nini Naseweis gemacht und ist bisher zum Glück noch nicht davon infiziert. Ich spiele mit dem Gedanken, dieses Bilderbuch klammheimlich verschwinden zu lassen. Bevor es zu spät ist.

Zöller, Elisabeth; Kolloch, Brigitte; Sperber, Annabelle von: Nini Naseweis   © Fischer 2007 978-3-596-85262-8

Fanny im Regenglück

Über eine Kollegin durfte ich das Buch Fanny im Regenglück kennenlernen und war so bezaubert, dass ich beim nächsten Regenguss, der uns auf dem Spielplatz überraschte, in die Buchhandlung eilte, um es zu bestellen.

Gestern hatte es dann als Gute-Nacht-Geschichte Premiere bei uns. Die Kinder verweilen gleich beim Vorsatzpapier und freuen sich an der Vielzahl verschiedener bunter Regenschirme.

Und nach der Geschichte gleich nochmal. Da ist doch irgendwas anders…

Es geht um Fanny, die den Regen liebt und ihren Freund, Bär Fred, der das, wie die meisten anderen Leute, nicht tut. Aber mitgehangen, mitgefangen! Die beiden streifen durch London, entdecken die Farben der Wolken, den Nebel am Boden und geben den verschiedenen Arten Regen herrliche Namen wie Träufelregen, Platschgeprassel oder Pladdernasse Wasserschwemme.

Das liebevoll in überwiegend blaugrau und gedeckten Farben illustrierte Buch, lässt die Kinder an ihre Regenerlebnisse denken, von leichtem Nieseln, plötzlichen Regengüssen bis zu tiefen Pfützen, durch die sie mit dem Fahrrad sausen. So schwelgen wir in Errinnerungen, bis beim großen Finale die Sonne durch die Wolken bricht und… hach!

Ein schönes Buch für Regentage. Und weil nach dem Regen vor dem Regen ist, sollte das wunderbare Bilderbuch von Cinta Villalobos jeder, also wirklich jeder, im Bücherregal haben. Und ganz oft herausnehmen.

Villalobos, Cinta: Fanny im Regenglück. © Atlantis, 1. Aufl. 2015 978-3-7152-0696-7